SethSteiner hat geschrieben:Für mich persönlich ist The Witcher 3 in jedem Fall die Referenz im Genre und teilweise sogar Genreübergreifend. Die Quests wurden ja oft angesprochen, die Figuren wirken allesamt großartig, sei es nun Geralt selbst oder einfach nur ein Mann im Tutorialgebiet, den man eigentlich nur ein, zwei Minuten überhaupt spricht. Die Vertonung (ich spiele auf englisch), die Darstellung, die Musik, die Umgebung das alles wirkt hinein und dazu auch, dass man im Spiel kaum NPC Klone antrifft. Es gab einen einzigen Moment in Novigrad, wo drei Leute in einer Zwischensequenz nebeneinander standen die scheinbar identisch waren und das wars. Ansonsten gab es, zwei, drei andere Momente wo ich mal wirklich jemanden als Klon zu erkennen meine und das in 30+ Spielstunden. Unter dem Strich: Ich persönlich habe das Gefühl mich in einer echten Welt zu bewegen. Dabei stimmt es natürlich, es ist nicht jeder ansprechbar im Sinne von einem Dialog führen und damit hat man eben einige Dörfer in denen man nichts wirklich tun kann aber mir kommt das nicht schlimm vor. Eher im Gegenteil. Das Spiel ist randvoll mit Quests, ich seh mich das Spiel wirklich hundert und mehr Stunden spielen, dass dann einige Dörfer und Menschen nicht mit mir reden, finde ich unproblematisch und eher realistisch. Die Dörfer sind auch nicht alle gleiche Kopien, das Gefühl bekomme ich manchmal bei der Kritik, sie sind halt nur eben nicht unbedingt wichtig sondern hübschen nur die Landschaft auf und machen sie lebendig. Für mich funktioniert das großartig. Ich war ja desöfteren in verschiedenen Flecken in Deutschland in den Wäldern und die Jungs und Mädels haben es wirklich geschafft eine Welt zu erschaffen, die unserer entsprungen zusein scheint. Da sind sandige Aufschlüssige, Sümpfe, Felder aber alles nicht ganz klar getrennt, sondern es geht sehr angenehm und unauffällig ineinander über. Die Schalchtfelder über die oder an denen man vorbeireitet sehen wirklich so aus. Man kauft dem Land die Kriegsverheerung ab. Es ist nicht einfach nur etwas was die NPCs einem erzählen, man sieht es und fühlt es.
Ist mir auch schon aufgefallen. Hin und wieder seh ich mal paar Klone, die gibt es. Das ist aber unglaublich selten der Fall, dafür allemal meinen Respekt.
Die Dörfer erzeugen bei mir den Gegenteiligen Effekt. Ich seh die inzwischen nur noch wie Tankstellen: Dorf A hat einen Schmied, Dorf B einen Händler, Dorf C einen Kräuterkundigen und Dorf D wieder nen Schmied - nur mit anderer Spezialisierung. Die sehen natürlich nicht alle gleich aus, aber im wesentlichen sind es nur unterschiedliche Aneinanderreihungen der gleichen Häuser mal von einer Taverne oder einem Laden unterbrochen. Ich könnte mich so spontan - obwohl ich erst vor kurzem gespielt habe - an keinen Ort erinnern, der bei mir 'Eindruck' hinterlassen hätte oder an den ich mich erinnern würde. Auf mich wirkt das alles also irgendwie gegenteilig: nicht lebendig sondern eher leblos, wie Kulissen.
SethSteiner hat geschrieben:Das Kampfsystem ist sicher ein legitimer Kritikpunkt aber es wird in meinen Augen etwas übertrieben. Gleiches gilt für Witcher 1 und 2. Es ist sicher nicht perfekt aber es funktioniert und erfordert teilweise auch etwas Einarbeitung und Übung. Was ich persönlich recht schwach finde ist die Armbrust, ich denke hier hätte man tatsächlich mehr machen können aber ansonsten bietet einem das Spiel wirklich viel. Einerseits finde ich es großartig erst mal überhaupt ein Kampfsystem zu haben, dass ohne Bombast und Epicness auskommt. Man hat zwar seine Zauber aber es gibt nicht ständig krasse Effekte wenn man mit einem Schwert schlägt und der Schwertkampf selbst kommt auch ohne unmöglichste Moves aus. Das Bestiarium liefert einen Möglichkeiten wie man gegen verschiedene Monster am besten zu Felde zieht und mit Runen, Bomben, Zauber, Kampfstilen, Ölen, womit man sich den Kampf auch erleichtern kann. Man kann sicher daran Arbeiten dass es direkter und weniger schwammig ist, sollte allerdings denke ich auch die Positiven Seiten hervorheben, die für mich persönlich überwiegen.
Ich würde nicht generell sagen, dass es funktioniert. Die Zielfunktion ist okay, solange man das Ziel nicht wechseln muss. Ich muss dann teils gut 10 Sekunden rumwerkeln bis ich mal das Ziel bekomme, dass ich eigentlich will. Das ist in der Eile ziemlich lästig. Im Gegenzug aber auf die Erfassung zu verzichten ist ebenso ungeschickt, weil mein Hexer seine Ziele dann spontan wählt: stehen zwei Monster leicht versetzt in etwa der selben Richtung, schlüpft (das sieht etwas seltsam aus) Geralt dann auch mal ersten Monster vorbei um sich komplett auf das zweite zu konzentrieren. Das ist besonders dann einfach nur lästig, wenn man versucht low HP Gegnern den Todesstoß zu versetzen. Und ganz schlimm wird es, wenn sowas in engen Gassen geschieht. Dann zoomt die Kamera auch noch ein wenig verrückt umher und das Kämpfen ist mehr Chaos als sonstwas.
Bestiarium sowie die generellen Mechanismen mit Schwächen, Ölen und Co funktioniert tadellos, ich schätze das ebenfalls sehr.
SethSteiner hat geschrieben:Items: Großartig. Es gibt soviele Bücher, Briefe und Schnullifachs. Ich denke man könnte hier ein bisschen was am Durchblick tun aber die reichhaltige Menge und auch wie es im Inventar gestaltet wurde, ist wirklich schön. Ich hoffe sehr dass man das beibehält und nicht verwässert. Ich möchte in Cyberpunk auch soviel Zeug finden und einsammeln können.
Die Texte etc sind in der Tat fabelhaft und laden - entgegen einem Dragon Age - auch zum lesen ein. Finde ich auch Klasse.
Das restliche Itemgewusel finde ich dagegen strittig(er), auch weil es einen erschlägt.
SethSteiner hat geschrieben:Skills: Ich finde es ziemlich gut gemacht, hier kann man anscheinend wirklich ewig seinen Charakter entwickeln und verbessern. Wenn ich an Dragon Age Origins denke, wo ich ziemlich schnell doch die Skills gemaxt habe und dann riesige Wolken mit Blitz und Feuer gezaubert habe, da sticht The Witcher 3 positiv hervor. Und Prozente machen halt auch Sinn, denn man levelt ja immer weiter, kämpft gegen stärkere Monster und da bringt es einfach nichts, wenn ich irgendwo +10 bekommen habe, +5% hingegen passt sich dem wenigstens an.
Prozente wie Prozente und die generelle Anordnung ist auch gut. Ich empfinde es aber als störend, dass es
nur Prozentualwerte sind, die man sich da heranzüchtet. Ich hätte mir mehr Skills gewünscht, auf die man sich freut. Selbst wenns bloß die Möglichkeit wäre mal mit einer anderen Kombo anzugreifen, einen Rundumschlag auszuführen oder sowas in der Art. Denn so ist es, bis auf wenige Ausnahmen, nur ein sammeln von Prozentpunkten - was mir persönlich keinen Spaß macht in einem Skilltree.
SethSteiner hat geschrieben:Menüs: Ich hoffe irgendwann schafft man generell wieder gute Menüs zu designen. Dieses Handy/Konsolen-Menü ist einfach traurig. Es ist dunkel, unnötig verworren und recht lieblos.
Was sich hier allerdings befindet ist toll. Das besagte Bestiarium ist wirklich schön aufgemacht, viel zu lesen, gute Tipps. Auch die Charakterliste ist sehr schön, ebenfalls einiges zu lesen und anzuschauen. Sollte man definitiv reingucken.
Das Menü ist etwas umständlich, die von dir beschriebenen Untermenüs sind dagegen allemal besser, da stimme ich ebenfalls zu.
SethSteiner hat geschrieben:Nebennebenaufgaben: Gwint ist ein großartiges Kartenspiel, in dem man sich echt verlieren kann. Das ist toll gemacht und scheint wirklich unglaublich viele Leute in den Bann zu ziehen. Dieses Spiel im Spiel ist rundum gelungen. Ich wünschte mir nur, das Würfelspiel gäbe es auch noch, das hat mir nämlich ziemlichen Spaß gemacht aber dafür hat man ja noch Pferderennen und das gute alte Boxen.
Allgemein kann man nebenher soviel machen. Mal eine Räuberbande ausräuchern, Orte der Macht suchen, sich um Monsternester kümmern. Das Spiel gibt einen wunderbare Möglichkeiten neben den Quests.
Gwint ist Klasse, keine Frage. Mit Pferderennen und Schlägereien kann ich dagegen nichts anfangen, was die Anzahl der wirklichen Nebenaktivitäten für mich einschränkt.
Auch empfinde ich die von dir beschriebenen Mini-Events nicht wirklich als etwas 'nebenher' machen. Die haben Teils viel 08/15 Charakter und auch wenn sie, neben den richtigen Quests, alles etwas auflockern, empfinde ich persönlich das zB nicht als etwas, dass ich gerne nebenher mache. Einfach weil es oftmals zu nah an dem dran ist, was ich in den Quests schon ohnehin mache (sprich: Banditen/Monster ausräuchern usw). Zumindest geht es mir so damit.
SethSteiner hat geschrieben:The Witcher 3 ist sicher kein makelloses Spiel, soetwas wird es niemals geben aber es wischt mit der Konkurrenz, allen voran EA einfach den Boden auf und ja auch mit Bethesda die jedes Mal ziemlich schluddern, auch wenn sie mit ihren möglichkeiten die sie bieten und den Mods die dann kommen EA ebenfalls weit hinter sich lassen. CD Project setzt sich hier entgütig auf den Genrethron, was sich schon bei Witcher 2 abgezeichnet hat. Es ist zu hoffen, dass sie sich mit Cyberpunk genug Zeit lassen und gerade an den kritischsten Punkten wie Kampfsystem etwas Feilen, gerade auch weil es dann wohl nicht nur Nahkampf beinhalten wird. Ich mache mir allerdings wenig Sorgen. Was ich allerdings hoffe ist, dass man es unterlässt noch ein Mal seine Kundschaft mit falschen Bildern zu hintergehen. Ich bin zufrieden mit der Präsentation und das auf mittlerer Stufe, hätte gar nicht gedacht dass es bei mir so toll aussehen würde und ich denke hier ist es wie bisher noch nicht ihnen gelungen, das Spiel wirklich zu optimieren aber manipulieren und Lügen geht nicht.
Ich finde das auch ziemlich strittig. Bioware und EA sind natürlich aus dem Rennen, keine Zweifel daran. Ich persönlich sehe The Witcher 3 aber nicht (alleinig?) auf dem Thron. So sehr es an einer Front was revolutioniert so sehr finde ich es an anderen Stellen ziemlich 'hinterher'. Zudem denke ich: so richtig wird sich das auch erst zeigen, wenn die Leute in Durchgang 2 und 3 sind und sich dann erst vollkommen zeigt, wie unterschiedlich man es spielen kann.